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Bis zu diesem Tag hieß es immer "Wo warst du, als Kennedy erschossen wurde?"
Wo war ich am 11. September 2001? Im Büro, wie viele der Opfer auch. Ich tat meinen Job, wie alle, die an diesem Tage dort gestorben sind. In den Gebäuden, auf der Strasse, im Einsatz. Nur die im Flugzeug wollten vielleicht in die Ferien...
Ich weiß nicht mehr, wie spät es hier in Deutschland war, als das Telefon klingelte...
"Kreisjugendring Stormarn, Wenzlaff, Guten Tag..."
Hi, ich bin´s Marcus, da ist gerade ein Flugzeug ins World Trade Center geflogen... Mach mal schnell Fernsehen an..."
"Waaaas?!!!, also die Türme sind doch wirklich nicht zu übersehen", war nach einer Schockminute meine erste Reaktion.
Einen Fernseher konnte ich mangels Empfang nicht aufbauen und so berichtete mein Freund, was er im Fernsehen sah, während meine Kollegen versuchten ein Radio anzuschließen.
Mein Redeschwall über die Unfähigkeit von Piloten dieser "Never-Come-Back-Liner" irgendwelcher Bananenrepubliken unterbrach Marcus mit "Verdammt da kommt noch eines - es fliegt genau in den zweiten Tower"
Spätestens jetzt hatten alle Spekulationen über Attentat oder Unfall ein Ende.
An diesem Tag war an "Tagesgeschäft" nicht zu denken. Jeder der ins Büro kam oder anrief und mit der Nachricht konfrontiert wurde reagierte mit Ungläubigkeit.
Marcus rief noch einmal an und berichtete, das auch ein Flugzeug ins Pentagon geflogen war. Inzwischen hatten wir ein Radio in Betrieb und waren auf dem Laufenden.
Begreifen tat ich es noch nicht einmal abends am Fernseher, als die schockierenden Bilder auf mich einprasselten. Das Essen blieb in der Mikrowelle und der Fernseher lief die ganze Nacht...
Ich erinnre mich an einen Hausmeister, der verschlafen und die Fähre verpasst hatte. Als er seinen Arbeitsort dann endlich erreichte, fiel ihm das Haus fast vor die Füsse.
Ich erinnere mich an so viele Bilder, ein alter Mann, grau von Staub kam aus einer Staubwolke auf eine Kamera zu.
"Was ist passiert?" fragte der Kameraman als der Mann fast vorbei war, "Sie sind zusammengefallen", sagte der Mann. die Gebäude sind kollabiert, beide - Wissen Sie, ich bin 69 Jahre alt, aber ich kann noch um mein Leben laufen", sagte er noch im Umdrehen und verschwand in der nächsten Staubwolke.
Die Nachricht, die mich am meisten berührte, kam ganz lapidar von einem Nachrichtensprecher, der über die Logistik solcher Rettungsaktionen sprach: "Es ist schon schwierig, festzustellen, wieviele hunderte von Kinder in Kindergärten und Schulen abgeholt werden müssen, weil ihre Eltern das nicht mehr können, da sie im WTC umgekommen sind..."
Ich weiß nicht einmal wieviele Menschen starben und keine Religion der Welt kann diesen Wahnsinn rechtfertigen (und sie tun es auch nicht). Es war die Tat weniger Terroristen mit bis an den Wahnsinn grenzenden Fanatismus.
Wir können heute nur hoffen, das dem Irrsinn nicht noch mehr einfällt. Es bleibt, gemeinsam mit unseren amerkanischen Freunden zu trauern, den Helden zu gedenken, deren Familien vielleicht der Trost bleibt, das ihre Angehörigen gestorben sind, als sie anderen helfen wollten.
Und es bleibt zu wünschen, das unsere Freunde in ihrem Zorn und Schmerz Gerechtigkeit nicht mit Rache verwechseln.
Zur heutigen Lage und dem Irak - Krieg habe ich meine Meinung und äußere sie hier aber nicht in vollem Umfang. Ich gebe lediglich zu Bedenken, nicht alle Amerikaner in Schubladendenken zu urteilen und das die derzeitige Regierung mit 12 % der Stimmen ins Weisse Haus einzog.
Bei aller Trauer kann Krieg nur das allerletzte Mittel sein - und das war es nicht. Es war der Alleingang zweier alter Männer, die meinten, noch eine Rechnung offen zu haben. Einen "Krieg gegen Saddam" gab es nicht, man kann einen Krieg nur gegen ein ganzes Volk führen - und das muss leiden.
Zu Verschwörungstheorien, Myhten und Vermutungen, die in letzter Zeit im Umlauf sind, sage ich nichts, bevor nicht die Wahrheit an das Tageslicht kommt und spätestens seit Kennedy wissen wir, dass das selten der Fall ist.
Fakt ist, 2300 Kinder haben beide Eltern oder ein Elternteil verloren. über 3000 Menschen sind gestorben. Das gilt es, nicht zu vergessen und wie immer man zu "Amerika" und "den Amerikanern" steht. Unser Mitgefühl sollte den Menschen gelten, den Toten, deren Familien, Kollegen, angehörigen und Freunden....
