Wir sind ein Teil der Erde

Aus der Tatsache, dass die nordamerikanischen Indianer kein schriftliches Alphabet besaßen, sollte man nicht den voreiligen Schluß ziehen, dass sie eine primitive Sprache pflegten. Im Gegenteil: Der Wortschatz vieler Indianerstämme war mindestens ebenso reich wie der ihrer weissen Gegner, zumindest aber sehr viel bildhafter. Wie kühl und distanziert klingt doch das Wort ›Freundschaft‹ neben dem indianischen Ausdruck: "Einer, der meine Sorgen auf seinem Rücken trägt.“

Manche ihrer Worte, gesprochen vor zwei-, dreihundert Jahren muten uns heute prophetisch an.

Damals hörten wir ihre Worte nicht, heute mag es zu spät sein. Wir können vergangenes Unrecht nicht wieder wettmachen, aber wir können ihnen endlich einmal zuhören und auf die Worte lauschen, die Indianer uns zu sagen hatten.

Wir werden darin Werte finden, die wir längst verloren hatten und die wir erst einmal wieder suchen müssen....

 

...Wir sind ein Teil der Erde,

und Sie ist ein Teil von uns. Die duftenden Blumen sind unsere Schwestern, die Rehe, das Pferd, der grosse Adler sind unsere Brüder. Die felsigen Höhen, die saftigen Wiesen, die Körperw■rme des Ponys - und des Menschen - sie alle gehören zur gleichen Familie....

Seattle (1786-1866) war Häuptling der Suquamish, die an der nordwestlichen Pazifikküste der USA lebten. Dieser Text ist ein Auszug der berühmten Rede, die er hielt, als sein Volk das angestammte Land aufgeben und in ein Reservat ziehen musste.

(Die Rede des Häuptlings Seattle vor dem amerikanischen Kongress 1855)

 

 

Lasst mich ein freier Mensch sein-

frei zu reisen, frei anzuhalten, frei zu arbeiten, Handel zu treiben, wo ich möchte,

frei, meine eigenen Lehrer auszuwählen, frei der Religion meiner Väter zu folgen,

frei, zu denken, zu reden und zu handeln für mich selbst -

und ich werde jedem Gesetz folgen oder mich der entsprechenden Strafe unterwerfen,

(Chief Joseph, Nez Perce)

Der lange Weg der Nez Perce

 

Henry Old Coyote war 60 Jahre alt, als er 1972 von einem amerikanischen Institut eingeladen wurde, bei einer Tagung über indianische Erziehungsmethoden zu sprechen...

Wenn du dein Herz nicht hart werden lässt,

wenn du deinen Mitmenschen kleine Freundlichkeiten erweist, werden sie dir mit Zuneigung antworten. Sie werden dir freundliche Gedanken schenken.

Je mehr Menschen du hilfst, desto mehr dieser guten Gedanken werden auf dich gerichtet sein.

Das Menschen dir wohlgesinnt sind, ist mehr wert, als Reichtum.

(Henry Old Coyote)

Der große Geist bewahre mich davor,

über einen Menschen zu urteilen, ehe ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bin.

(unbekannter Apache

 

Indianer sind freie Menschen:

Jeder von ihnen betrachtet sich selbst als genaus so wichtig, wie die anderen, und sie unterwerfen sich ihren Häuptlingen nur soweit es ihen zusagt.

(Black Elk - Hehaka Sapa, Oglala-Sioux)

Hehaka Sapa, geb. 1863, war über 60 Jahre alt, als er in einer Reservation in Süddakota John Neihard seine Lebensgeschichte erzählte. Black Elk war "wichasha wakon" ein heiliger Mann seines Stammes (Medizinmann ist eine nicht ganz zutreffende Übersetztung). Er nahm als Junge an der Schlacht am Little Big Horn (1876) teil, dem letzten grossen Aufbäumen der Indianer gegen die Macht der Weissen. Damals wurde General Custer von einer Übermacht vernichtet. Black Elk konnte auch von der Zeit der Geistertänze berichten. Diese messianische Erwartung eines Retters, der die Weissen von der Prärie fegen sollte hatte nichts kriegerisches an sich. Doch da die Amerikaner einen Aufstand befürchteten unterdrückten sie die Bewegung. Tragischer Abschluss war das Massaker von Wounded Knee (1890) als eine Schar halbverhungerter Dakota mit Frauen und Kindern von Maschinengewehren niedergemetzelt wurden, obwohl sie keine feindlichen Absichten zeigten.

Friede ist nicht nur das Gegenteil von Krieg,

nicht nur der Zeitraum zwischen zwei Kriegen - Friede ist mehr. Friede ist das Gesetz menschlichen Lebens.

Friede ist dann. wenn wir recht handeln und wenn zwischen jedem einzelnen Menschen und jedem Volk Gerechtigkeit herrscht.

(Spruch der Mohawk- Irokesen)

Mahnung an die Häuptlinge!

Oh Häuptlinge! Tragt keinen Zorn im Herzen und hegt gegen niemanden Groll. Denkt nicht immer nur an euch selber und an eure eigene Generation. Vergeßt nicht, daß nach euch noch viele Generationen kommen werden, denkt an eure Enkelkinder und an jene, die noch nicht geboren sind und deren Gesichter noch im Schoß der Erde verborgen liegen.

(aus der Verfassung der Irokesen)

Die Irokesenverfassung entstand hunderte von Jahren vor dem Kommen des weißen Mannes.

Sie vereinte Völker verschiedener Sprachen und beeinflußte später die amerikanische Verfassung, als sich die 13 Kolonien zusammenschlossen

 

 

 

 

Die Frucht der Liebe

Schaut, meine Brüder, der Frühling ist gekommen. Die Erde hat die Umarmung der Sonne empfangen und wir werden bald die Frucht dieser Liebe sehen.

 

Die Erde gehört uns nicht allein.

Sie gehörte unseren Vätern und soll auch unseren Kindern gehören.

 

Ich verkünde hiermit,

dass ich nicht beabsichtige, irgendeinen Teil meines Landes zu verkaufen.

Ich werde den Weissen auch nicht erlauben, die Eichen am Fluss zu fällen.

Ich liebe diese Eichen.

Ich schaue sie gern an und respektiere sie,

weil sie den Winterstürmen und der Sommerhitze besser standhalten als wir

 

(Sitting Bull, Tatanka Yotanka)

Die weisen Männer und Frauen der Weissen sagten,

dass wir ihre Religion übernehmen könnten. Aber als wir versuchten, diese zu verstehen, fanden wir heraus, dass es zu viele verschiedene Religionen bei ihnen gab, als dass wir sie hätten verstehen können, und dass sich kaum zwei Weisse darüber einig waren, welche die richtige zum Erlernen sei.

Dies beunruhigte uns ziemlich, bis wir sahen, dass der Weisse Mann seine Religion nicht ernster nahm als seine Gesetze und dass er sie beide wie Helfer hinter seinem Rücken hielt, um sie dann hervorzuholen und zu benutzen, wenn sie im Umgang mit Fremden für ihn nützlich sein konnten.

Dies war nicht unsere Art. Wir hielten uns an die von uns aufgestellten Gesetze und lebten unsere Religion. Wir waren niemals in der Lage, die Weissen zu verstehen, die niemanden was vormachen als nur sich selbst.

(Plenty Coups)

Häuptling Aleek-Chea-ahoosh (Plenty Coups) 1848-1932, war ein Krähenindianer. Die Crow waren Prärie-Indianer und lebten von der Büffeljagd. Plenty Coups musste die Ausrottung der Büffel durch die Weissen miterleben. Als er später- als alter Mann - Frank Lindermann seine Lebensgeschichte erzählte, weigerte er sich, über die Zeit nach dem Verschwinden der Büffel zu sprechen.