![]()
![]()
Die Flucht der Nez Perce
´![]()
Noch ein bitteres Kapitel von staatlich verordneten kriminellen Gewaltakten in der amerkanischen Geschichte:
Sie nannten sich selbst "Nimipu, Kaminu oder Tsupeli" und wurden von den Franzosen Nez Perce getauft.
Als die Franzosen die Indianer zum ersten mal sahen, trugen viele von ihnen Schmuckanhänger in durchstochenen Nasenflügeln. Deshalb wurde der "neue" Name des Stammes von der französischen Bezeichnung für das heute bekannte Piercing abgeleitet:
Nez Perce heisst also übersetzt etwa "Durchstochene Nasen"
Die Nez Perce jagten Grosswild, insbesondere den Büffel, fischten aber auch Lachs.
Der Stamm unterhielt zu den Weissen gewöhnlich gute Beziehungen.
Die ersten Kontakte kamen mit den Franzosen und schliesslich 1803 mit den Amerikanern zustande, als Lewis und Clark den Stamm besuchten.
1831 bat der Stamm sogar um Missionare. Die Nez Perce blieben in allen Indianerkriegen der Region neutral, selbst in den Rogue River Kriegen um 1850.
Die Nez Perce bestanden eigentlich aus zwei Stämmen den Oberen und Unteren Nez Perce, die über jeweils eigene Gebiete verfügten, aber gemeinsame Jagdgründe hatten.
Die Trennung der beiden Stämme wurde jedoch indirekt durch die US-Regierung aufgehoben, als sie 1863 die Oberen Nez Perce einen Vertrag unterzeichnen liess, der auch die Unteren Nez Perce mit einschloss und die Umsiedelung beider Stammesgruppen in das Lapwai-Reservat vorsah.
Es vergingen zehn Jahre, bevor der Siedlerstrom auch die Nez Perce bedrohte, die den Vertag noch nicht in die Tat umgesetzt hatten.
Obwohl die lokalen Behörden die Schaffung eines regionalen Reservats für die Unteren Nez Perce bei Wallowa befürworteten, lehnte der US-Kongress diese Idee ab. Der Grund dieser Ablehnung war dass inzwischen in dem Wallowa Tal Gold gefunden wurde.
So kam es auch das in das Tal Goldsucher eindrangen und den Nez Perce Rinder und Pferde (Appaloosa) stahlen.
Trotz der Bemühungen des in einer Missionsschule ausgebildeten Häuptlings Joseph, wurde dieser kleine Stamm mit knapp 1.000 Personen, davon 250 Krieger, 1877 gezwungen aus dem Wallowa-Tal in das Lapwai-Reservat umzusiedeln, wo sich die traditionellen Gegensätze zwischen beiden Stammesteilen verschärften.
Joseph wollte Blutvergiessen verhindern doch Angehörige der Unteren Nez Perce zettelten einen Krieg an und zogen sich damit den Zorn der US-Armee zu.
General Oliver Otis Howard und Hþuptling Joseph kannten und respektierten einander, aber die Initiative einiger weniger hatte die Gewalt plötzlich soweit getrieben, dass ein Krieg nicht mehr zu vermeiden war..
Wiederwillig übernahm Joeseph das Kommando und zog mit seinen Kriegern in den White Bird Canyon, wo er am 17. Juni 1877 der Armee in der ersten Schlacht dieses Nez Perce Krieges eine Niederlage zufügte.
Als Howard mit neuen Einheiten und schwerer Artillerie anrückte, hatte sich Joseph bereits hinter den Clearwater-Fluss zurückgezogen. Er wollte mit seinem Stamm über die Grenze nach Kanada fliehen und sich den dort lebenden Sioux unter Sitting Bull anschließen.
Nichts wäre für die USA leichter gewesen, als die 250 Krieger und 450 Frauen in Frieden ziehen zu lassen. Sie wären in Kanada willkommen gewesen.
Aber am Beispiel dieser kleinen Gruppe bis dahin loyaler, freundlicher und unkriegerischer Indianer zeigte sich die Einstellung der US-Politik : Es ging nicht darum, sie aus einer Reservation zu vertreiben und sie in lebensfeindlichere Landstriche umzusiedeln, es ging auch nicht darum, amerikanische Zivilisten oder Soldaten zu schützen. Die Indianer wären kein Problem mehr gewesen, hätten keinerlei Kosten mehr verursacht und hätten niemanden bedroht, verletzt oder getötet.
Es ging um die Durchsetzung selbstherrlicher Vorstellungen. Die US-Regierung wollte durchsetzen, dass unterpriviligierte Bevölkerungsgruppen einmal gegebene Befehle unter allen Umständen auszuführen hatten. Befehl ist Befehl.
Um in den Norden zu kommen, mussten die Nez Perce erst einmal nach Montana gelangen, die Rocky Mountains überqueren und durch hunderte Kilometer Steppe ziehen.
Den Montana-Fluss passierten Sie in der Nähe von Fort Missoula und schafften es immer wieder, die Armee zu täuschen oder zu besiegen.
Doch als der Stamm endlich die Plains erreicht hatte, wurde er nicht nur von Howard, sondern von drei weiteren Armeen (unter den Generalen Gibbon und Miles und dem Colonel Sturgis ) gejagt. Sie versuchten mit 5.000 (in Worten fünftausend!) Soldaten, mit Kanonen, Schnellfeuerkanonen, Kavallerie, Infanterie und Artellerie die 250 Krieger und 450 Frauen und Kinder auf Ihrem 4.000 km langen Gewaltmarsch unter Kontrolle zu bringen.

Später lagerten die völlig erschöpften Indianer, bei den Bear Paws-Berge, von dort war es nur noch ein Tagesritt (knapp 60 km) nach Kanada.
Bis hierhin hatten es nur 87 Krieger und 254 Frauen und Kinder geschafft.
Da Howard noch zwei Tage benötigen würde, um sie zu erreichen, liess Joseph den Stamm weiter ausruhen.
Währenddessen war es Miles allerdings gelungen, aus den Resten seiner geschlagenen Einheit eine neue Kavallerietruppe zusammenzustellen, so dass er Josephs Lager umschliessen konnte...
In einer fünf Tage währenden Schlacht wehrten sich die Krieger gegen die mit modernen Gewehren ausgerüsteten Soldaten, doch als es keine Hoffnung mehr gab, kapitulierte Joseph am 5. Oktober 1877.
An diesem Tag hielt Joseph die bis heute bemerkensewerte Rede :
>> Sagen Sie General Howard, dass ich sein Herz kenne.
Was er mir früher gesagt hat, trage ich nun in meinem Herzen.
Ich bin des Kämpfens müde.
Unsere Häuptlinge sind tot.
Looking Glass ist tot. Toohoolzote ist tot. Alle alten Männer sind tot.
Jetzt sagen die jungen Männer ja oder nein. Er, der die Jungen geführt hat, ist auch tot.
Es ist kalt und wir haben keine Decken. Die kleinen Kinder frieren zu Tode.
Ich möchte Zeit haben, um nach meinen Kinder zu suchen und sehen, wie viele ich von Ihnen finden kann. Vielleicht finde ich sie unter den Toten.
Hört mich, meine Häuptlinge! Ich bin müde; mein Herz ist krank und traurig.
Von dort wo die Sonne jetzt steht, bis in alle Ewigkeit werde ich nie mehr kämpfen <<
Eine Zählung ergab, dass von den 700 Nez Perce, die am 15. Juni geflüchtet waren, nur noch 431 übrig geblieben waren. 79 davon waren Männer.
Einige der Nez Perce konnten über die Grenze nach Kanada fliehen und schlossen sich dort den Sioux unter Sitting Bull an. Doch die meisten der Überlebenden wurden nicht, wie vorher zugesagt, in das Lapwai-Reservat gebracht, sondern in das Indianer-Territorium.
1885 wurden die letzten Stammesangehörigen nach Lapwai geschafft, aber Joseph schickte man in das Colville-Reservat im Bundesstaat Washington, wo er am 21. September 1904 starb.
Dr. Latham, der Agentur-Arzt, schrieb in seinem offiziellen Bericht: "Joseph starb an gebrochenem Herzen, während er am Feuer saß".
Er wurde in aller Stille begraben, sein Hab und Gut unter die Leute verteilt.
Heute leben noch ca. 2000 Nez Perce in den den Reservationen. Es gibt einige Gedenksteine bei den Schlachtfeldern. Ein Damm im Columbia River wurde nach Chief Joseph benannt und es gibt eine Ortschaft im Wallowa Tal. die den Namen Joseph trägt...
Sonst nichts.